Sender Brotjacklriegel

Der Sender Brotjacklriegel

Ob man aus Richtung München kommt oder aus Regensburg auf der A3 nach Süden fährt: Die Schöfweger sehen ihre Heimat früher als viele andere. "Unser Turm" kommt in den Blick, auch wenn es bis nach Hause noch etliche Kilometer sind. Gemeint ist natürlich der Sender Brotjacklriegel des Bayerischen Rundfunks.

Die ganze Dimension des Sendeturms wird ersichtlich, wenn man auf den Gipfel des Brotjacklriegel gewandert ist und aus dem Wald kommend ziemlich unvermittelt direkt vor dem Turm steht. Aus solidem Beton streckt sich der Turm weit in den Himmel, rundherum gespickt mit den verschiedensten großen und kleinen Antennen. Am Fuß umschließt eine ringförmige Kanzel wie ein aufgespießtes UFO den Turm. Hier ist der Arbeitsplatz der Techniker, die für eine reibungslose Funktion der Sendeanlagen sorgen.

Vor dem Fenstern die dichten Bäume des Bayerwaldes, in den Räumen modernste Technik. Im Überwachungsraum haben die Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks alles im Blick, nicht nur den eigenen Sender sondern per Fernüberwachung alle Sender in Bayern. In den weiteren Räumen stehen Sender und Empfänger. Schrankgroße Anlagen beherbergen modernste Technik. Armdicke Leitungen gehen von hier zu den Antennen auf den verschiedenen Ebenen des Turmes. Auch wenn vieles automatisch geht, sorgen ständige Messungen und Wartungsarbeiten dafür, dass die Radio- und Fernsehsender stets in guter Qualität zu empfangen sind. Ein mächtiges Dieselaggregat im Keller des Turmes springt ein, falls die Stromversorgung einmal ausfallen sollte.

Der 125 m hohe Sendeturm auf dem Gipfel des Schöfweger Hausberges sorgt seit 1951 dafür, dass Radio und später Fernseher im südostbayerischen Raum empfangen werden können. Seine Reichweite geht von Teilen der Oberpfalz und den gesamten Bayerwald, vom Gäuboden bis ins Rottal.

Die erste UKW-Senderantenne saß noch auf einem Stahlgitterturm mit 48 Metern Höhe. Aufgrund Ihrer hohen Reichweite wurde die Station bald zu einem Fernseh-Grundnetzsender ausgebaut. Für das „Erste Deutsche Fernsehen“ erneuerte der Bayerische Rundfunk 1959/60 die gesamte Anlage: Die Antennen wurden auf einem 100 Meter hohen Spannbetonturm montiert.

In den folgenden 30 Jahren entwickelte sich die Hörfunkversorgung weiter: Der bisherige UKW-Mono-Sender übernahm ab 1968 die Ausstrahlung des Programms Bayern 1; gleichzeitig wechselte Bayern 2 auf einen neuen Stereo-Sender. 1971 war die Servicewelle Bayern 3 geboren und ab 1975 auch in Stereo empfangbar. Seit Juli 1987 ist auch die Klassikwelle des BR auf Sendung und seit Anfang Mai 1991 wird auch der Informations- und Nachrichtenkanal B5 aktuell gesendet.

Durch die schrittweise Erweiterung waren im Jahr 1990 alle Betriebsräume restlos belegt.  Obwohl moderne UKW-Sender im Vergleich zu den ersten Anlagen wesentlich geringere Ausmaße haben, stieg der Platzbedarf für Zusatzeinrichtungen wie Stereo-Codierung, fernbedienbare Meßtechnik oder RDS-Codierung (Radio Data System). Umfangreiche Neu- und Umbaumaßnahmen waren die Folge. Um den Betonturm herum wurde die architektonisch anspruchsvolle Kanzel angebaut, mit zwei Geschossen für neue sendertechnische Anlagen.

Das Zeitalter des digitalen Hörfunks brach am Brotjacklriegel am 12. September 2001 an: zu den fünf UKW-Wellen gesellte sich ein DAB-Sender für digitales Radio. Er versorgt die Region mit einem Programmpaket aus verschiedenen Programmen in besserer digitaler Wiedergabequalität und verbreitet ergänzend zum UKW-Angebot exklusive Digitalprogramme wie Bayern plus mit deutschsprachigen Schlagern und Volksmusik oder die BR-Jugendwelle on3-radio.

Das digitale Antennenfernsehen DVB-T löste am 6. Dezember 2006 die analoge terrestrische Fernsehversorgung in der Region ab. Im Vorfeld gab es umfangreiche bauliche und technische Änderungen am Sender Brotjacklriegel. Der Mast erhielt einen 23 m hohen GFK-Zylinder mit der neuen DVB-T-Antenne. Insgesamt bieten drei DVB-T-Sender je vier Programme. So hat sich das über Antenne empfangbare öffentlich-rechtliche TV-Angebot in der Region vervierfacht.

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