Der Klimawandel verändert die Quellschüttungen, die Anforderungen der Trinkwasserverordnung steigen stetig, die Bürokratie für private Brunnenbetreiber nimmt massiv zu, und immer mehr Haushalte überlegen, ihre eigenen Brunnen aufzugeben – nicht weil sie versiegen, sondern weil die laufenden Betriebskosten und Prüfpflichten kaum noch zu stemmen sind. All das zeigt: Wasserversorgung ist heute komplexer denn je. Und genau deshalb ist es wichtig, offen darzustellen, wie Schöfweg aufgestellt ist und welche Schritte in den kommenden Jahren notwendig werden.
Schöfweg verfügt über eine außergewöhnlich vielfältige und robuste Wasserversorgungsstruktur. Insgesamt werden jährlich rund 60.000 m³ Trinkwasser verbraucht. Die Versorgung ruht auf mehreren Säulen:
Gemeindliche Versorgung
Versorgung über die Gemeindegrenzen hinaus
Wassergenossenschaften
Versorgung über Gemeinschafts- und Einzelbrunnen
Einzelversorger
Diese Vielfalt macht Schöfweg weniger anfällig für Störungen als Gemeinden, die nur ein einziges Versorgungssystem haben.
Viele Maßnahmen der Wasserversorgung passieren im Hintergrund – unsichtbar, aber unverzichtbar. In Schöfweg wurde über viele Jahre hinweg kontinuierlich investiert:
Leitungsnetz
Hochbehälter und Technik
Quellen und Schutz
Versorgungssicherheit
Bei allen Erweiterungen der Trinkwasserversorgung wurde gleichzeitig die Löschwasserversorgung verbessert – ein zentraler Bestandteil der öffentlichen Sicherheit. Dies betrifft:
Dabei wurden unter anderem Leitungsquerschnitte verstärkt, Hydranten ergänzt oder erneuert, Druckverhältnisse verbessert und zusätzliche Löschwasserreserven geschaffen.
Wasser verursacht laufende Kosten für Energie, Wartung, Reparaturen, Laboruntersuchungen, Bereitschaftsdienst und Dokumentation. Trotzdem hat Schöfweg sehr günstige Wassergebühren. Gründe dafür sind:
Viele Gemeinden mit niedrigen Schulden stehen heute vor explodierenden Wasserpreisen, weil jahrzehntelang zu wenig investiert wurde.
Ein Vergleich zeigt das deutlich:
Diese Zahl wirkt auf den ersten Blick hoch. In Wahrheit zeigt sie, dass Schöfweg über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich in seine Infrastruktur investiert hat. Schulden kann man planen, Investitionsstau überrollt einen.
Bereits vor rund sieben Jahren wurde ein Ingenieurbüro beauftragt, die Zukunftsfähigkeit der Trinkwasserversorgung zu untersuchen. Ziele waren:
Trotz mehrfacher Aufforderung liegt bis heute kein endgültiger Bericht vor. Fachbüros sind überlastet, Trinkwassertechnik ist hochspezialisiert, Kapazitäten fehlen.
Die Investitionssumme von rund einer Million Euro ist eine realistische Schätzung, basierend auf:
Sie umfasst die Generalsanierung des Hochbehälters, die Erneuerung wichtiger Leitungsabschnitte, die Modernisierung der Messtechnik und Maßnahmen zur Versorgungssicherheit.
Ein entscheidender Schritt war der Grunderwerb am Hochbehälter, der durch einen Grundstückstausch ermöglicht wurde. Erst dadurch wurde die Gemeinde in die Lage versetzt, rechtssicher zu sanieren, Fördermittel zu beantragen, technische Maßnahmen umzusetzen und langfristig zu planen. Dieser Schritt war nicht nur technisch notwendig, sondern auch ein deutliches Bekenntnis der Gemeinde zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der eigenen Trinkwasserversorgung.
Der Klimawandel führt zu unregelmäßigeren Quellschüttungen, längeren Trockenperioden und stärkerer Belastung der Infrastruktur.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen der Trinkwasserverordnung. Für private Brunnen bedeutet das:
Viele überlegen daher, sich an die öffentliche Versorgung anzuschließen – nicht wegen Wassermangel, sondern wegen der Betriebskosten und Auflagen.
Schöfweg ist eine Streusiedlungsgemeinde. Viele Anwesen liegen abgelegen, in Hanglagen oder weit entfernt von bestehenden Leitungen. Für diese Bereiche wäre eine Erschließung technisch extrem aufwendig, wirtschaftlich nicht vertretbar. Deshalb wird es auch in Zukunft Anwesen geben, die nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen werden können und weiterhin über Einzel- oder Gemeinschaftsbrunnen versorgt werden.
Die kommenden Investitionen werden sich auf die Gebühren auswirken. Die zentrale Frage lautet, ob wir bereit sind, für eine eigene, flexible und unabhängige Wasserversorgung etwas höhere Gebühren in Kauf zu nehmen. Eine reine Umstellung auf Waldwasser wäre technisch einfach, würde aber die Unabhängigkeit und Flexibilität der Gemeinde deutlich reduzieren.
Wasser ist Lebensqualität. Dass es in Schöfweg zuverlässig, sauber und zu fairen Preisen aus dem Hahn kommt, ist keine Selbstverständlichkeit. Die kommenden Investitionen sind ein wichtiger Schritt, um diese Qualität auch für die nächsten Jahrzehnte zu sichern. Schöfweg hat frühzeitig gehandelt, verantwortungsvoll geplant und steht heute auf einem stabilen Fundament.
Martin Geier
Bürgermeister
Bei einer chemisch-physikalischen Untersuchung durch ein unabhängiges Labor wurden keine Grenzüberschreitungen nach Anforderungen der aktuellen Trinkwasserverordnung 2011 festgestellt.
Rückstände von Pflanzenschutzmitteln konnten im Rahmen der durchgeführten Untersuchungen ebenfalls nicht festgestellt werden.
Die Wasserhärte beträgt 0,59 mmol/l als CaCO3. Demnach ist das Wasser nach dem Wasch- und Reinigungsmittelgesetz dem Härtebereich "weich" zuzuordnen.
© VG Schönberg